Kommunikation, Reflexion, Dokumentation, Weiterbildung

 

Der Anspruch, professionell zu arbeiten, wird im Verein OASE nicht nur in der unmittelbaren Interaktion zwischen SozialpädagogInnen und zu betreuenden Minderjährigen eingelöst, sondern auch durch die Qualität, in welcher der fachliche Diskurs geführt wird.

 

Interne Qualitätsforen

  • PL-Team im 3-Wochen-Rhythmus

  • KoordinatorInnenteam (Pädagogische Leitung und WG-KoordinatorInnen) im 6-Wochen-Rhythmus.  Darüber hinaus nehmen wir uns für Kommunikation und Reflexion pro Woche in jedem WG-System mindestens 3 Stunden Zeit.

    Die Teamsitzungsvormittage weisen folgende Struktur auf: 

  • GL- & PL-Team/Fallbesprechung, Fallreflexion (Gesamtleitung/Pädagogische Leitung und WG-Team) - Organisations- bzw. Kleinteam (WG-Team) oder (im 14-Tage-Rhythmus alternierend):  

  • Teamsupervision (SupervisorIn und WG-Team)  
  • Organisations- bzw. Kleinteam (WG-Team)

  • Im 4- bzw. 5-Wochen-Rhythmus werden in den sozialtherapeutischen Einrichtungen 1,5-stündige konsiliarpsychiatrische Fallsupervisionssitzungen abgehalten. Im Wohnverbund 3 finden die psychiatrischen Fallsupervisionsbesprechungen im 14-Tage-Rhythmus statt.

    An sonstigen Austauschmöglichkeiten (neben den vielen „Tür- und  Angelgesprächen“) sei noch auf Folgendes hingewiesen:

  • Da die einzelnen Dienste in Doppelbesetzung absolviert werden, bleibt immer Zeit für Informationsaustausch und Intervision.

  • Auf Grund der räumlichen Nähe von WGs, Pädagogischer Leitung und Verwaltung ist rascher Informationsfluss gewährleistet. Auftauchende Problemlagen können oft unmittelbar reflektiert werden. 

  • In den einzelnen WGs werden meist im Abstand von 3 Wochen so genannte Kinderteams abgehalten (WG-Team und Kinder und Jugendliche). 

  • In Oase 2/1 Intensiv sowie Oase 3 und Oase 4 finden regelmäßige psychiatrische Fallsupervisionen statt (2-bzw. 4-Wochen-Rhythmus)

 


Externe Kommunikation und Interaktion

Wir pflegen hochfrequente Kontakte zu allen Angehörigen der Kinder und Jugendlichen, die wir betreuen.
Selbstverständlich auch zu den SozialarbeiterInnen, LehrerInnen, TherapeutInnen und allen sonst noch relevanten Personen, die mit den Minderjährigen befasst sind (FreundInnen, ÄrztInnen, AMS-MitarbeiterInnen, Lehrlingscoaches, PolizistInnen etc.).  

Wichtige Qualitätssicherungsinstrumente stellen auch die periodischen Fallverlaufskonferenzen dar (Teilnehmende: Minderjährige, Angehörige,  SozialarbeiterIn, SozialpädagogIn, RegionalleiterIn, Pädagogische Leitung) und auch die einmal im Jahr stattfindende Revision der Einrichtung durch den Magistrat der Stadt Wien.

 

Dokumentation 

  • Bedeutsame Tagesgeschehnisse werden von Sozialpädagoginnen mit Hilfe des Dienst-PCs dokumentiert (Dienstbuch).

  • Außergewöhnliche Vorkommnisse (Unfälle, Polizeieinsätze, massive Auseinandersetzungen) werden zudem separat dokumentiert („Meldung zum Vorfall“ an Pädagogische Leitung und Auftraggeber).

  • Mindestens halbjährlich werden Entwicklungsberichte verfasst, die den biopsychosozialen Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes oder der/des  Jugendlichen beschreiben. Die bisherige Arbeitsweise und die (Teil-) Zielerreichung wird dokumentiert wie ein Ausblick auf zukünftige pädagogische und/oder therapeutische Schwerpunktsetzungen gegeben.  

  • Korrekte Aktenführung (z. B. Gesundheitsblätter), penible Kassengebarung,  Dokumentation der Brandschutzmaßnahmen, Dienststundenaufzeichnungen etc. sind ohnehin Standard in jeder sozialpädagogischen Praxis.

  • Mitarbeiter Schulungen

 

Interne Weiterbildung

Für ein vertiefendes Verständnis besonderer Problemlagen werden anlassgemäß FachreferentInnen für die direkt betroffenen oder auch für alle SozialpädagogInnen eingeladen.

Beispiele hierfür sind:

  • Fachreferentin vom Romano Centro zum besseren Verständnis kulturspezifischer Unterschiede
  • Umgang mit Psychopharmaka (Psychiater vom Krankenhaus „Am Rosenhügel“)
  • Sexuelle Gewalt (MitarbeiterInnen von der Kinder- und Jugendanwaltschaft)
  • Exkursion in die Justizanstalt für abnorme Rechtsbrecher „Am Mittersteig“
  • Schwerpunktseminare zum Thema AKT: Affektkontrolltraining, verpflichtend für alle MitarbeiterInnen im Ausmaß von 16 Stunden
  • Workshop zum Thema „De-Radikalisierung/Dschihadismus“ (De-Radikalisierungsberatungsstelle Wien)  

 

 

Darstellung der Maßnahmen der Partizipation und gendergerechten Pädagogik

 

Partizipation

Ab dem Tag des Erstkontaktes wird unter Bezugnahme auf die Bedürfnisse der Minderjährigen ein individuelles Betreuungskonzept erstellt und gemeinsam verfolgt.  
Jede/r Minderjährige/r ist dazu angehalten, bei den Besprechungen und Terminen (Fallverlaufskonferenzen, Helferkonferenzen, Elterngespräche, Gespräche mit den zuständigen Personen der Ausbildungsstätten etc.) anwesend zu sein oder – sofern die Termine emotional stark überfordernd wären – mit der/m BezugssozialpädagogInnen vorab wichtige Inhalte und Wünsche zu besprechen.  
Während des Betreuungsverlaufs besteht dauerhaft die Möglichkeit zur selbstbestimmten Gestaltung der täglichen Freizeit. Alle Kinder und Jugendlichen werden in die gemeinsame Gestaltung des Tagesverlaufs und in die Planung von Festen, Feiern, Gruppenurlauben etc. mit einbezogen. Das Angebot der gemeinsamen Aktivitäten erfolgt in Abstimmung auf die Interessen der Kinder und Jugendlichen.

Darüber hinaus gibt es mittels periodisch abgehaltener Kinderteams die Möglichkeit, eigene Interessen, Wünsche und Anregungen einzubringen. Die persönliche Anwesenheit aller Kinder und Jugendlichen bei Fallverlaufskonferenzen sowie die Möglichkeit der individuellen  Kontaktaufnahme mit der/m zuständigen SozialarbeiterIn schafft Raum für Selbstbestimmung, dies betrifft auch die Kontakte zu den Angehörigen im Verlauf der Unterbringung.

 

Gendergerechte Pädagogik

Verbale Sensibilisierung unserer MitarbeiterInnen und Reflexion der vorgelebten Rollenbilder durch die Teams sind erstes und probatestes Mittel, gendergerechte Pädagogik im Bereich der stationären Jugendwohlfahrt umzusetzen. Das Zusammenleben der Kinder und Jugendlichen in Familiengruppen bietet täglich unterschiedlichste Anlässe, die KlientInnen an diese Thematik heranzuführen.

Die Berücksichtigung größtmöglicher Ausgewogenheit in Bezug auf die Geschlechterverteilung der Teamkonstellationen ermöglicht es, gendersensible Betreuung in den gemischtgeschlechtlich geführten Gruppen mittels gegengeschlechtlich besetzter Doppeldienstmodelle zum Einsatz kommen zu lassen.
Durch Zusammenarbeit mit externen Beratungsstellen können Jugendliche auch mit anderen ProfessionalistInnen an ihrer Wahrnehmung der Thematik  arbeiten.
Auch bei der Auswahl der TherapeutInnen spielt die Anwendung von gendergerechter Pädagogik eine Rolle – die TherapeutInnen sind über die Erstgespräche mit den BezugssozialpädagogInnen auf ev. auftauchende Themen vorbereitet.

Geschlechtsspezifische Angebote im Alltag führen die Kinder und  Jugendlichen an einen natürlichen Umgang mit Unterschieden und Ähnlichkeiten der beiden Geschlechter heran. In reflektierenden Gesprächen werden Selbst- und Fremdwahrnehmungen thematisiert und bei Bedarf  Phantasien und Wertvorstellungen zu den diversen Rollenbildern hinterfragt. Immer wieder werden im Rahmen von Einzelaktionen mit den BezugssozialpädagogInnen, aber auch mit Teilen der Gruppen, „Motto-Tage“ veranstaltet, die mitunter auch der Bearbeitung von Genderfragen oder Unsicherheiten in Bezug auf die eigene Rolle dienen.

Interessierte Kinder und Jugendliche nehmen gemeinsam mit SozialpädagogInnen auch an externen Veranstaltungen teil.