Krisenmanagement im Verein Oase

 

Mitunter treten im jeweiligen WG-Betreuungskontext derart schwerwiegende Probleme auf, dass vorübergehend oder längerfristig ein Settingwechsel vorgenommen werden muss.

Beispiele dafür können sein: Körperverletzung einer/s SozialpädagogIn durch eine/n Jugendliche/n, sexuelle Gewalt unter Jugendlichen oder auch vermehrtes Auftreten psychopathologischer Auffälligkeiten.

  • Wenn zum Schutz von Personen keine anderen Sofortmaßnahmen zu  treffen sind, besteht die erste Reaktion zumeist darin, die Betreuungsintensität im Sinne von verstärkter Einzelzuwendung und –Betreuung  zu erhöhen.

  • Unverzüglich werden auch alle Reflexionsmöglichkeiten und Beratungsressourcen ausgeschöpft, um die Mutmaßungen über die Ursachen der Krise in ihrer Plausibilität zu validieren.

  • Des Weiteren wird eruiert, welche sinnvollen Interventionen im bedeutsamen Umfeld des/der Minderjährigen zu setzen sind (Beispiele: verstärkte Elternberatung, Besuche der Angehörigen nur noch unter Beobachtung – beispielsweise in Folge sexueller Übergriffe im Familienverband).

  • Konkrete Maßnahmen werden beschlossen und umgesetzt. Dies sind vor allem: Anbieten psychotherapeutischer Unterstützung bzw. Erhöhung der Therapiefrequenz, vorübergehende oder auch längerfristige interne Beschulung, ambulante Betreuung oder Krisenaufnahme in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung inklusive Besprechung etwaiger Medikation, Einzelbetreuungsmaßnahmen auch außerhalb der WG, Wechsel der Bezugsgruppe.

  • Unter dem Punkt „Wechsel der Bezugsgruppe“ verstehen wir – unter der Prämisse, dass alle bisherigen Maßnahmen sich als insuffizient erwiesen haben – nach vereinsinternen Lösungen der Krise zu suchen (also Wechsel in eine andere WG etc.), bevor wir uns gezwungen sehen, den Betreuungsauftrag prinzipiell in Frage zu stellen.

Unsere wichtigsten Hilfsmittel zur Erreichung dieser ambitionierten Ziele sind ein intensives Krisenmanagement, große Flexibilität und Professionalität. Darüber hinaus gibt es organisationsspezifische Handlungsleitfäden in Krisenfällen, welche den MitarbeiterInnen Orientierung bieten und fortlaufend adaptiert werden.

 

Darstellung der Maßnahmen der Gewaltprävention

 

Deeskalierendes Verhalten der SozialpädagogInnen und die Bedachtnahme auf gewaltfreie Erziehung sowie wertschätzender Sprachgebrauch sind obligat.

Jährlich finden mehrtägige MitarbeiterInnenschulungen statt, in welchen u.a. auch Gewalt in all den in der stationären Jugendwohlfahrt zum Tragen kommenden Aspekten thematisiert wird. Der vereinsinterne Gewaltschutzbeauftragte beleuchtet das Thema zudem regelmäßig und auch anlassbezogen in den Organisationsteams sowie in Einzelgesprächen.
Die Vermittlung von Skills und Handlungskompetenzen regt zur Reflexion eigener Haltungen an.

 

„Über die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung, dem Berufsverständnis und den verbundenen Rollenkonflikten geht es um die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit unbeherrschbaren (Affekt) und gegensätzlichen Kräften (Konflikt), sowie dem Vermeiden oder dem Kontrollieren zerstörerischer Prozesse. Ziel ist unter anderem die Weiterentwicklung der Selbstwahrnehmung, Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis und Selbstverteidigung (seelisch und körperlich). Das AKT vermittelt, dass Friedfertigkeit und Kooperationsbereitschaft als Stärke erlebt werden können. Das ist eine Voraussetzung für den respektvollen Umgang mit anderen Menschen, der Umwelt und sich selbst.“  www.psychotherapie.noe-lak.at/akt.htm

 

Periodisch durchgeführtes Affekt-Kontroll-Training (A.K.T.) wird durch Schulungsmaßnahmen der Wiener Polizei zum Thema Deeskalation und Selbstverteidigung ergänzt.
Die Zusammenarbeit mit unserem Konsiliarpsychiater in Form der Psychiatrischen Teamsitzungen für die gesamte OASE 3 und OASE 4 sowie die OASE 2/1 Intensiv bringen rasche Abklärung medizinischer Indikationen für erhöhte Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen und sichern somit die richtige Wahl an unterstützender psychopharmakologischer Medikation.
Durch die konkrete Abstimmung des Betreuungssettings auf die Bedürfnisse der betreuten Minderjährigen und dem Maßnahmenplan (siehe Konzept Krisenmanagement) kann sichergestellt werden, dass Eskalationen auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben und ehebaldig durch gezielte Änderungen in den Betreuungsstrukturen wieder Stabilität sowie Sicherheit erreicht werden kann. Ggf. kann auch die Installierung von Einzel- oder Sonderprojekten (SOPRO) einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten.
Zusätzlich sorgt die Gestaltung räumlicher Gegebenheiten (Rückzugsräume und ausreichendes Platzangebot in den Wohngemeinschaften, Einzelzimmer für Jugendliche, Startwohnungen für KlientInnen im Betreuten Wohnen, flexible und rasche Adaption des Lebensraumes an wechselnde Bedürfnisse) dafür, dass in emotional angespannten Situationen ausreichend Raum vorhanden ist, um Stressoren zu minimieren.
Therapeutische Begleitung während des Betreuungsverlaufs trägt dafür Sorge, dass aufkommende aggressive Lösungsphantasien für Probleme früh erkannt werden können und unterstützt im Anlassfall bei der Bewältigung von Konflikten.
Nicht zuletzt beantworten tägliche Aktivitäten bewegungsorientierter Art sowie bei Bedarf individuell ausgerichtete erlebnispädagogische Angebote den oft erhöhten Drang an körperlicher Betätigung und reduzieren somit „angestaute Emotionen“ regelmäßig.